Stilstand ist der Tod. Sagen viele. Ich würde es nicht so drastisch ausdrücken. Dennoch denke ich, dass eine der zentralen Aufgaben einer Führungskraft das Thema „Weiterentwicklung“ ist. Dies ergibt sich nicht nur aus sich ständig ändernden äußeren Bedingungen, sondern auch aus dem Umstand, dass Mitarbeiter sich weiterentwickeln wollen. Ja sogar Weiterentwicklung brauchen um zufrieden zu sein! Und das trifft nach meiner Erfahrung selbst auf die zu, die ggf. für sich selber reklamieren, lieber keine Veränderung zu wünschen. Stilstand und ein verharren im „hier- und jetzt“ ist also nicht die Lösung. Dennoch hat Weiterentwicklung auch ihre Kehrseite. Wird zu viel gefordert, kann es schnell zu Überforderung kommen. Im folgenden Beitrag möchte ich aufzeigen, was es bei Mitarbeiterentwicklung zu beachten gibt und wie diese erfolgreich funktionieren kann.

Um Mitarbeiter erfolgreich weiterzuentwickeln ist es erforderlich, sich zu vergegenwärtigen, welche Gefühls-Zonen Mitarbeiter durchlaufen können. Im Nachfolgenden möchte ich die drei grundlegenden Zonen kurz darstellen.

Die Komfortzone

In dieser Zone bewegen sich Mitarbeiter, wenn Sie sich mit vertrauten Sachverhalten befassen und innerhalb ihres Zielerreichungskorridors agieren. Man darf dies nicht mit „Füße hochlegen“ verwechseln. Es ist im Berufsleben – genau wie im Privaten – nach meiner tiefsten Überzeugung sehr wichtig, nicht „ständig unter Strom“ zu stehen. Sich routiniert einer Angelegenheit zu widmen oder genau zu wissen, dass die von einem geforderten Ziele erfüllt werden, gibt jedem Ruhe und Kraft. Und beides ist notwendig, um sich Neuem zuzuwenden. Daher sollte ein nicht unerheblicher Teil unserer täglichen Arbeit innerhalb der Komfortzone stattfinden. Auf Dauer ist das jedoch so langweilig, wie Tag ein Tag aus am Strand zu liegen. Daher sollte jede Führungskraft dafür Sorge tragen, dass ein guter Teil der dem Mitarbeiter übertragenen Aufgaben durch diesen in der Komfortzone bewältigt werden kann, jedoch eben nicht alle Aufgaben. Es bedarf auch einmal einer – um im Bild zu bleiben – Fahrt auf das Meer. Zur Abwechslung. Zur Weiteren Wicklung der Fähigkeiten des Mitarbeiters. Damit sind wir bei der nächsten Zone:

Die Entwicklungszone

In der Entwicklungszone ist der Mitarbeiter gefordert. In einem positiven Sinn. Er muss an sich arbeiten, um die ihm gestellten Aufgaben zu bewältigen. Die Rolle der Führungskraft ist es nun ihn dabei zu bestärken und wenn notwendig zu unterstützen. Die Zielstellung ist die Weiterentwicklung. Nur durch die Bewältigung neuer Herausforderungen können auch neue Erfolgserlebnisse generiert werden. Und ich bin Überzeugt, dass nur mit stetigen Erfolgserlebnissen dauerhafte Zufriedenheit möglich. Diese Erfolgserlebnisse können sich in der Komfortzone schwerlich einstellen. Nun höre ich schon den Einwand von Führungskräften, dass man ja nicht ständig neue Aufgaben generieren kann. Dieser Einwand ist natürlich berechtigt. dennoch denke ich, kann man doch in fast jeder Organisationsform neue Impulse setzen. Und wenn es nur darum geht, dass Tagesgeschäft effizienter zu lösen als bisher. Es gibt jedoch oft auch Stimmen, die sagen „Oh, so habe ich das noch gar nicht gesehen. Dann ist ja bei uns alles super. Die Herausforderungen sind bei uns riesig und es gibt immer wieder Neues!“. Dann muss ich begegnen: Leider nicht ganz. Und an dieser Stelle kommen wir zur dritten Zone:

Die Panikzone

Die Panikzone ist der Zustand, in den der Mitarbeiter abgleitet, wenn ihm alles über den Kopf wächst. Das ist dann – um das bereits bemühte Bildnis fortzuführen – die Situation, in der es nicht mehr darum geht bei einer strammen Brise einen anspruchsvollen, aber schönen Segeltörn auf das offene Meer zu machen, sondern darum, bei einem Tornado in See zu stechen. Und das kann – das gezeichnete Bild zeigt es schon – nicht gut gehen. Daher ist als erfolgreiche Führungskraft stets darauf zu achten, dass der Mitarbeiter nicht von der Entwicklungszone- in die Panikzone abgleitet. z. B. weil Ziele nicht nur leicht nach oben korrigiert wurden, so dass der Mitarbeiter seine Komfortzone verlassen muss um sie zu erreichen, sondern derart überzogene Ziele vorgegeben werden, dass sie für den Mitarbeiter unerreichbar erscheinen. Oder Aufgaben gestellt werden, die der Mitarbeiter mit seinen Fähigkeiten und Erfahrungen aus seiner Sicht gar nicht erfüllen kann. In einer solchen Situation treten auch biologische Blockadezustände ein. Mann könnte auch von einer „langen Schrecksekunde“ sprechen. Die Synapsen im Gehirn machen zu. Eine geordnete Übertragung von Gedanken ist nicht mehr möglich. In einen solchen Zustand kann niemand produktiv arbeiten. Es gilt also die Herausforderungen auf das Maß zu reduzieren, dass der Entwicklungszone entspricht. Wenn das nicht möglich sein sollte, dann gilt es andere Möglichkeiten zu finden. Andernfalls brennt der Mitarbeiter aus oder kündigt einfach.

Zusammenfassung

Soweit die Theorie. Die Praxis ist natürlich weit weniger einfach. Kein Mitarbeiter trägt eine leuchtende Ampel auf dem Kopf, an der zu erkennen ist, in welchem Stadium er sich gerade befindet. Hier ist Feinfühligkeit gefragt. Offene Fragen und Gespräche sind hier unverzichtbar. Es gilt also für jede Führungskraft stets das Spannungsumfeld zwischen notwendiger Routine und angebrachter Weiterentwicklung zu treffen. Kein leichter Job. Führungskräfte mit weniger Erfahrung kann an dieser Stelle nur geraten werden, sich durch einen erfahrenen Coach unterstützen zu lassen. Der Schlüssel zu erfolgreicher Mitarbeiterentwicklung liegt letztlich auch darin die Situation in der sich der Mitarbeiter befindet richtig einzuschätzen und sein Führungsverhalten daran auszurichten.

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About the Author: 

Ansgar M. Nagel ist Investor und Unternehmerberater.
Als Unternehmerberater engagiert er sich als Partner von Unternehmern und Unternehmen bei der erfolgreichen Umsetzung von Unternehmensverkäufen. Darüber hinaus begleitet er bei Optimierungen im Bereich Führung, Vertrieb und Ökonomie.
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